Miguel Ángel Asturias – Sturm

von obstivision

Reisen dient ja vielen Dingen, unter anderem auch immer wieder der Erweiterung des eigenen Horizontes in jeglicher Hinsicht. Doch auch, wenn ich geraume Zeit in Peru verbracht habe, ist die Literatur Süd- und Mittelamerikas mir, zu meiner Schande, größtenteils unbekannt. Dabei hat dieser Kontinent einige großartige Autoren hervorgebracht, denen international Anerkennung gezollt wurde und wird. Dazu gehört auch Miguel Ángel Asturias, der Nobelpreisträger für Literatur von 1967. Meine Eltern reisten vor vielen Jahren ein halbes Jahr durch Mittelamerika und brachten von dort nicht nur unendlich viele phantastische Geschichten mit, sondern auch ein umfassendes Interesse für die Literatur und Geschichte dieser Länder. Von meinem Vater erhielt ich also vor kurzem, nach einem Gespräch über das Reisen im Allgemeinen und die heutige Situation Mittelamerikas, die es kaum noch möglich macht, diese Länder gefahrlos zu erkunden, den ersten Band der „Bananen-Trilogie“ des Guatemalteken Asturias, Sturm. Ein kurzes Büchlein, die deutsche Ausgabe hat nur 170 Seiten, aber ein unglaublich kraftvolles.

Die zugrundeliegende Handlung spielt sich auf den Bananenplantagen ab, die in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts in Guatemala entstanden. Dort leben einige US-Amerikaner, Mitarbeiter eines riesigen Fruchtkonzerns, unter den einheimischen Arbeitern. Die Handlung ist nicht stringent, sie springt durch Zeit, Personen und Orte, erzählt einzelne Episoden aus dem Kampf um die Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit der Banenenpflanzer. Asturias präsentiert ein Kaleidoskop der Armut, Anstrengung, Krankheit und Verausgabung, doch zugleich der Hoffnung. Alle hoffen auf ein besseres Leben als im kargen Inland, wenn sie sich an die Küste auf die Plantagen begeben. Alle hoffen auf Geld und Erfolg und werden immer wieder von den ausbeuterischen Großkonzernen betrogen. Doch sie geben nicht auf.

Allgegenwärtig ist die feuchte Hitze, die es kaum möglich macht, zu atmen, die jeden Menschen irgendwann in die Knie zwingt. Doch sie liegt über Geldschein-grünen Bananenstauden, wunderschönen Seen, Erholung am Meer. Die Beschreibungen der Natur sind von einer Ausdrucksstärke, wie man sie kaum jemals findet und darin, viel mehr als in der rudimentären Handlung, liegt die Macht des Romans. Ein poetisches Zeitzeugnis aus einem Land, das hier kaum jemals Erwähnung findet.

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