Joscha Remus: Gebrauchsanweisung fuer Neuseeland

von obstivision

remusneuseeland
In einigen Wochen werde ich mit meinem Freund knapp vier Wochen lang durch Neuseeland reisen und habe, zur Vorbereitung darauf, die Gebrauchsanweisung fuer Neuseeland von Joscha Remus gelesen. Eigentlich hatte ich nicht vor, ueber dieses Buch zu berichten, erschien es mir doch als zu speziell und sachlich, gerade als Einstieg in die Geschichte dieses Blogs. Aber bei allem Genuss, den mir die Lektuere bereitete, dazu gleich mehr, draengte sich eine Frage so sehr auf, dass ich nicht schweigen konnte. Denn waehrend alle englischen oder Maori-Begriffe fleissig ins Deutsche uebersetzt werden, ein Wort wird es nicht und dies erscheint mir vollkommen unnoetig: Warum darf die arme Zitrone nicht Zitrone heissen, sondern muss krude anglisiert als „Lemon“ ihr Leben fristen? Das Wort „Zitrone“ ist doch so wunderbar treffend, wenn es darum geht, ein so extrem saures Obst zu beschreiben, bereits bei der Silbe „Zi-” verzieht man den Mund und zuckt innerlich zusammen, worauf „-trone” folgt und einem die Moeglichkeit gibt, loszulassen und den Nachgeschmack zu geniessen, den auch die so benannte Frucht mitbringt und der, vor allem, wenn man sie mit Zucker paart, herb-lecker, aber garnicht mehr abstossend ist. All dies geht bei der Verwendung des englischen „lemon“ verloren, das in diesem Neuseeland-Ratgeber auch noch seltsam eingedeutscht gross geschrieben wird.

Abgesehen von diesem, mich in meinem Lesefluss sehr stoerenden, Schnitzer war die Lektuere der Gebrauchsanweisung jedoch anregend, unterhaltend und in grossem Umfang hilfreich fuer die Ideenfindung und Planung der Reise. Joscha Remus erzaehlt von vielen Eigenheiten der Neuseelaender, von ihrer Geschichte, ihrer Natur und ihren Vorlieben, ihren Wettkaempfen untereinander, ihren grossen und kleinen Konkurrenzen mit anderen Laendern, von Fortschritt und Verlust, von gleichzeitigem Erhalt von Schuetzenswertem, vom Leben eben. Eine angenehme, schnelle Lektuere, bei der man immer wieder schmunzeln kann, aber auch auf Probleme der Globalisierung gestossen wird, die vor Neuseeland nicht halt machen. Der Inhalt umspannt alle Aspekte, die man klischeehalber mit Neuseeland verbindet, von Natur und schraegen Voegeln ueber Extremsportarten bis hin zur Verfilmung des Herrn der Ringe. Aber dabei bleibt es zum Glueck nicht, sondern auch die Kultur der Maori, die Wichtigkeit von Rugby und den Schafschwerweltmeisterschaften, andere Filme, die es weniger weit nach oben geschafft haben auf der Weltbuehne, und nicht zuletzt die Groessen der neuseelaendischen Literatur finden ihren Platz.

Vor einer Neuseelandreise ist dieses Buch auf jeden Fall eine lohnende Lektuere und auch sonst finden Freunde des Landes sicher einiges, das sie noch nicht wussten und anderes, das sie wiedererkennen.

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